22. Mai 2026
Hitzig debattiert wurde kürzlich am Informationsanlass der Gemeinde Wittenbach zur bevorstehenden Abstimmung «Schulentwicklung für unsere Kinder». Eine vermeintlich kleine Änderung der Schulordnung bringt ein offenbar grösseres Problem an die Oberfläche.
Mittwoch, 20. Mai, in der Aula des OZ Grünau in Wittenbach: Knapp 50 Personen folgen der Einladung der Gemeinde zu einem Informationsanlass zur Initiative «Schulentwicklung für unsere Kinder», über die am 14. Juni abgestimmt wird. Die Klingen kreuzen auf der einen Seite die Initianten Rolf Jermann, ehemals Schulratspräsident von Wittenbach, und GBS-Lehrer Roberto Schmidli, auf der anderen Seite Gemeindepräsident Peter Bruhin und Schulpräsident Thomas Meister.
Die Initiative verlangt einen Eintrag in der Schulordnung, wonach in Wittenbach weiterhin nur Jahrgangs- oder Doppelklassen erlaubt sind, nicht aber «Altersdurchmischtes Lernen» (AdL) mit drei oder vier Jahrgängen. Der Gemeinderat hatte ein Pilotprojekt geplant, dieses jedoch zurückgezogen, weil die Opposition bei den Ortsparteien zu gross schien.

Misstrauisch gegenüber den Behörden

Warum dennoch ein Verbot von AdL im Schulreglement? «Wir wissen nicht, ob der Gemeinderat in ein paar Wochen oder Monaten erneut mit einem Projekt kommt», sagte Initiant Rolf Jermann und liess durchblicken, dass sein Vertrauen in die Arbeit der Wittenbacher Behörden begrenzt ist. Er mutmasste gar, ob der Gemeinderat «eine versteckte Agenda» verfolge. Gemeindepräsident Peter Bruhin versprach: «Das altersdurchmischte Lernen ist für uns vom Tisch.» Nicht nachvollziehbar sei für ihn aber das grosse Misstrauen der Initianten gegenüber den Behörden sowie der Vorwurf mangelhafter Kommunikation, der von diesen immer wieder komme.
Diese Skepsis der Initianten gegenüber den (guten) Absichten der Gemeindevertreter – sie zog sich wie ein roter Faden durch den ganzen Abend.

«Ob Ja oder Nein – gehen Sie an die Urne!»

Die anschliessende Diskussionsrunde mit dem Publikum führte über die ursprüngliche Frage hinaus, ob Wittenbach ein explizites «AdL-Verbot» in der Schulordnung braucht oder nicht. Fragen zum Planungsstand beim Schulhaus Kronbühl kamen ebenso auf wie grundsätzliche Überlegungen, etwa: Wie weit soll das Volk bei Schulfragen mitbestimmen – und wo ist Schule Sache der Fachleute?
Klar wurde: Zum Thema Schule wollen alle mitreden, und die Schulthemen gehen Wittenbach nicht aus. So rief Gemeindepräsident Bruhin die Bürgerinnen und Bürger zum Schluss auf, am 14. Juni an die Urne zu gehen: «Ob Ja oder Nein – ich kann mit beidem leben. Wichtiger ist mir ein klarer Entscheid, das gibt uns Planungssicherheit.»
Autor: Felix Mätzler